Inhalt - auf einen Blick

Heute bündeln die digitalen Medien mehr Aufmerksamkeit als alle Printmedien, Fernseh- und Radiosender zusammengenommen. Unser Leben wird digitaler, und es gibt Millionen von digitalen Angeboten, Webseiten, Plattformen, Apps. Aber wo halten sich die Leute eigentlich auf? Welchen Aktivitäten gehen sie in der digitalen Welt nach? Wie groß ist die Rolle der Big-Tech-Angebote – und wie schlagen sich die unabhängigen Anbieter im Netz?

Die Vermessung des Internets gibt Aufschluss – auf einzigartige Weise übersichtlich, kompakt und zugleich präzise.

Sechs Jahre nach Veröffentlichung des wegbereitenden »Atlas der digitalen Welt« gibt es nun neue auf Grundlage von Realnutzungsmessungen erstellte, ausschließlich hier zugängliche und ausgewertete Daten. Sie werden überrascht sein, wie das Internet in Wirklichkeit aussieht.

Interview zum Thema im ZDF heute journal

Autor

Martin Andree, Medienwissenschaftler an der Universität Köln

Martin Andree

unterrichtet Medienwissenschaft an der Universität Köln. Er forscht seit mehr als 15 Jahren zu den Vormachtstellungen von Big Tech. Er wurde bekannt durch den „Atlas der digitalen Welt“, die erste ganzheitliche wissenschaftliche Vermessung der digitalen Welt (2020). 2023 erschien sein Bestseller „Big Tech muss weg!“, für den er den 2024 den Günter Wallraff Sonderpreis für Pressefreiheit und Menschenrechte erhalten hat. Er ist international gefragter Experte, Interviewpartner sowie Gastautor bei führenden Medien (u. a. ARD, ZDF, Süddeutsche Zeitung, Spiegel, FAZ) und Konferenzen (u. a. International Journalism Festival Perugia, VOICES — European Festival of Journalism, re:publica, Digitalgipfel der Bundesregierung, Gamescom u. a.).

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Events & Auftritte

Jun 01 2026

Präsentation, Bad Ischgl (AT)

Jun 06 2026

About Pop Festival, Stuttgart

Jun 17 2026

Keynote, Münster

Jun 26 2026

Evangelische Akademie, Wittenberg

Jun 30 2026

Vorlesung, Tübingen

Jul 15 2026

Keynote AI MusicCon, Köln

Jul 30 2026

Sommerdialoge, Baden-Baden

Aug 20 2026

Keynote Media Night, Hannover

Aug 27 2026

Keynote IAB, Wien

Aug 28 2026

Leuphana Universität, Lüneburg

Sep 03 2026

Keynote, Brüssel

Sep 05 2026

Deutscher Journalisten-Verband, Bremen

Sep 11 2026

LETsDOK Festival, Köln

Sep 23 2026

Keynote Medientage AT, Wien

Sep 24 2026

Vortrag, Lörrach

Okt 01 2026

Vortrag, Ingelheim

Okt 02 2026

Fun Facts, COMEDIA Köln

Okt 14 2026

Kolloquium, Universität Basel

Okt 28 2026

Keynote, Berlin

Nov 02 2026

Präsentation, Kiel

Nov 05 2026

Bard College Berlin

Nov 20 2026

Keynote Konferenz, Uni Bielefeld

Nov 24 2026

Vortrag, Osnabrück

Dez 01 2026

Vortrag, Stuttgart

ZUSAMMENFASSUNG

Die 360° Vermessung des digitalen Universums

Seit dem Erscheinen des "Atlas der digitalen Welt" (2020, Datenbasis 2018/2019) haben wir keine zusammenhängende Darstellung der Nutzung digitaler Angebote. Diese Lücke schließt das neue Kompakthandbuch – auf Grundlage belastbarer wissenschaftlicher Daten.

Warum wissen wir so wenig über die digitale Welt?

Jeder, der sich in irgendeiner Form mit digitalen Medien beschäftigt, lebt in einer paradoxen Welt: Denn zu keinem Feld existieren mehr Daten, Informationen und Statistiken. Aber zugleich handelt es sich stets um isolierte, winzige Partikel und Fragmente, die sich nicht integrieren lassen. Das Problem ist: Wir verstehen die Zusammenhänge nicht. Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Dagegen bräuchten wir eine zusammenhängende, ganzheitliche Darstellung digitaler Medien auf Grundlage ein und derselben Datenbasis – die auch die Nutzungszusammenhänge der verschiedenen Endgerätekategorien berücksichtigt (Desk- bzw Laptop, Smartphone, Tablet).

Der Referenzrahmen für digitale Mediennutzung

Die Vermessung der digitalen Welt liefert einen allgemeinen Referenzrahmen, der alle unterschiedlichen digitalen Angebote (z. B. Instagram, WhatsApp, Google etc.), Aktivitäten (z. B. Konsum von Content, Shopping, Search, Social Media, etc.), die verschiedenen Endgerätekategorien (Desktop, Mobil) und die unterschiedlichen Nutzerprofile in einer 360° Darstellung abbildet.

Diese Darstellung wurde ermöglicht durch die Auswertung eines Datensatzes aus dem GfK CrossMedia Link Panels, welches die reale Mediennutzung von 8.000 Personen in Deutschland erfasst (es handelt sich hier also nicht um Ergebnisse von Befragungen, sondern um echtes Nutzungsverhalten).

Diese Daten werden der Öffentlichkeit hier erstmals zugänglich gemacht. Die Zusammenhänge werden übersichtlich aufbereitet und durch anschauliche Infografiken illustriert, so dass die Inhalte für jedermann verständlich und zugänglich sind.

Überblick über wichtige neue Erkenntnisse

Die Auswertung dieser Daten liefert weitgehende neue Erkenntnisse und auch verblüffende Entdeckungen – hier seien nur einige wenige Beispiele genannt:

  • Die Konzentration des gesamten Traffic auf nur sehr wenige Konzerne ist extrem stark ausgeprägt: Alphabet und Meta bündeln allein etwa 40 % der gesamten digitalen Aufmerksamkeit aller digitalen Player zusammengenommen.
  • Das genaue Ausmaß dieser Konzentration wird wissenschaftlich berechnet – auf einer Skala zwischen 0 (Gleichverteilung – alle Player erzielen gleich viel Traffic) und 1 (ein Player zieht den gesamten Traffic auf sich, alle anderen Player im Markt haben null Traffic) liegt der Wert für die digitale Konzentration bei 0,987
  • TikTok ist rasant gewachsen und erzielt mehr als 10 % der aggregierten Nutzungszeit von Social Media
  • Die Plattform X hat zwar signifikant an Reichweite verloren, aber zugleich die durchschnittliche Nutzungszeit signifikant gesteigert, so dass die aggregierte Nutzungsdauer sogar wächst.
  • Die Messungen zeigen die Schnelligkeit der Durchsetzung von Angeboten generativer KI und dokumentieren auch hier extrem hohe Konzentrationsbildung.
  • Die Inhalte von Nachrichtenanbietern geraten unter den Bedingungen von PLattformisierung und generativer KI immer mehr unter Druck.
  • Die Bedeutung rechtspopulistischer "Alternativmedien" wird dokumentiert – es erweist sich, dass diese nur eingeschränkte Reichweiten auf eigenen Domains, dagegen verhältnismäßig hohe Sichtbarkeit auf Plattformen besitzen.

Insgesamt zeigen fast alle Analysen, dass die marktüblichen Betrachtungen nach Reichweiten irreführend sind. Entscheidend ist die Berücksichtigung der Nutzungsdauer, die hier erneut systematisch gemessen und publiziert wird.

Nur diese hier gemessene reale Nutzungsdauer kann die „Stickiness“ der verschiedenen digitalen Angebote ermitteln.

Erkenntnisgewinne in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Debatten

Die Vermessung der digitalen Welt liefert wichtige empirische Beiträge zu aktuellen Debatten, wie etwa

  • Quantifizierung der Übermacht der großen Digitalkonzerne
  • Wettbewerb unter den Bedingungen digitaler Märkte
  • Konsum politischer Nachrichten über digitale Kanäle
  • Gesellschaftliche Bedeutung der Social-Media-Plattformen
  • Mangelnder Zugriff der Öffentlichkeit auf die von ihr selbst generierten digitalen Daten

Die Problematik der genannten Debatten besteht meist darin, dass diese oft auf Grundlage unzureichender Fakten und Daten geführt werden. Dazu ein Beispiel: Wie kann man die Frage nach der Übermacht der großen Digitalkonzerne rational beurteilen, wenn keine genauen Erkenntnisse über das exakte Ausmaß dieser Konzentration vorliegen?

Die Vermessung der digitalen Welt soll hier eine neue 360°-Orientierung durch eine umfangreiche, wissenschaftlich abgesicherte Datensammlung liefern. Zugleich versteht sich diese Publikation nur als ein weiterer Schritt, der Öffentlichkeit einen solchen Referenzrahmen zur Verfügung zu stellen. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftig weitere Akteure aus der digitalen Welt für solche Grundlagenstudien anonymisierte und aggregierte Daten zur Verfügung stellen werden, um die Präzision der Beobachtungen und Messungen noch weiter im Sinne des öffentlichen Interesses zu verbessern.

INHALT

Einführung: Welche Rolle spielen digitale Medien?7

  • Was bietet diese neue Vermessung des Internets?11
  • Was ist der Vorteil von Realnutzungsmessungen?15

1. Wie viele Menschen sind im Netz?19

  • Über welche Angebote wächst der digitale Markt?21
  • Welche Angebote nutzen die älteren User?26

2. Digitale Angebote: Welche Plattformen, Apps, Webseiten werden benutzt?29

  • Ganzheitliche Vermessung der digitalen Konzentration34
  • Digitale Scheinvielfalt versus reale Konzentration38
  • Deutlich höhere digitale Konzentration bei jüngeren Nutzern42

3. Digitale Aktivitäten: Was machen die Menschen im Netz?45

  • Media-on-Demand / Broadcasting: Bewegtbild- und Audionutzung49
  • Video-on-Demand54
  • YouTube55
  • Audio-on-Demand59
  • Media Broadcasting60
  • Öffentlich-rechtliche Angebote62
  • Gaming65
  • Social Media68
  • Kommunikation70
  • Nachrichten & Informationen72
  • Web-Search77
  • Vertiefung: Google Search79
  • On-Site-Search83
  • Einkaufen/Auktionen85
  • Banking/Geld89
  • Produkt- und Preisvergleich91
  • App-Stores/Filesharing/Webspace94
  • Pornografische Inhalte95
  • Glücksspiel/Wetten99

4. Die Bedeutung von Social Media103

  • Social Media im engeren Sinne106
  • Facebook109
  • Instagram111
  • TikTok114
  • Snapchat115
  • X, vormals Twitter117
  • Reddit122
  • Pinterest130
  • LinkedIn133

5. Deep Dive (1): Generative KI137

6. Deep Dive (2): Dating143

7. Deep Dive (3): Rechtspopulistische »Alternativmedien«147

8. Alternativen zu den Big-Tech-Angeboten153

  • Fediverse & Co.156

Schlusswort161

Dank163

Geleitworte165

Anhang169

  • Abbildungen / Daten169
  • Methode / Leistung und Limitationen dieser Datenanalyse / Literatur169
  • Anmerkungen170

Bonus Tracks

Zu den verschiedenen Aspekten, die in diesem Buch behandelt werden, existieren flankierende Forschungsprojekte, Studien, Vorarbeiten und Publikationen aus den letzten Jahren. Die vertiefenden Arbeiten und Analysen sind über die Links hier zugänglich.

Kontakt

Bei Interesse auch an Interviews, Gastbeiträgen etc. wenden Sie sich gern an Campus Verlag, Amelie May
A.May@beltz.de
Tel: +49 (6201) 6007 435